Ak­tu­el­le La­ge der Gas­ver­sor­gung 
in Deutsch­land

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) hat am 23.06.2022 die Alarmstufe des Notfallplans in Deutschland ausgerufen. Die Alarmstufe folgt auf die am 30.03.2022 ausgerufene Frühwarnstufe.                      

Einen Lagebericht, welcher täglich aktualisiert wird, finden Sie auf der Internetseite der Bundesnetzagentur: 

FAQ BMWK zum Notfallplan Gas 

Übersicht der geltenden Verordnungen zur Energiekrise

Mittelfristenergieversorgungssicherungsmaßnahmenverordnung – EnSimiMaV

Die EnSimiMaV hat eine wesentliche Bedeutung für das ausführende Handwerk* sowie für Handwerks-betriebe, welche Eigentümer ihre Betriebsimmobilie sind, sowie privaten Hauseigentümern. Die Verordnung tritt zum 01.10.2022 in Kraft und gilt 2 Jahre bis zum 30.09.2024.

Heizungsprüfung gemäß §2 EnSimiMaV:

Abs. 1: 
(1) Der Eigentümer eines Gebäudes, in dem Anlagen zur Wärmeerzeugung durch Erdgas genutzt werden, ist verpflichtet, eine Heizungsprüfung durchzuführen und die Heizungsanlage des Gebäudes optimieren zu lassen. In diesem Rahmen ist zu prüfen,

  1. ob die zum Betrieb einer Heizung einstellbaren technischen Parameter für den Betrieb der Anlage zur Wärmeerzeugung hinsichtlich der Energieeffizienz optimiert sind,
  2. ob die Heizung hydraulisch abzugleichen ist,
  3. ob effiziente Heizungspumpen im Heizsystem eingesetzt werden oder
  4. inwieweit Dämmmaßnahmen von Rohrleitungen und Armaturen durchgeführt werden sollten.


Hat der Gebäudeeigentümer einen Dritten mit dem Betrieb der Anlage zur Wärmeerzeugung beauftragt, ist neben dem Gebäudeeigentümer der Dritte zur Erfüllung der Anforderungen nach Satz 1 verpflichtet.

Abs. 2:
(2) Zur Optimierung einer Anlage zur Wärmeerzeugung nach Absatz 1 Satz 2 Nummer 1 sind unter Berücksichtigung möglicher negativer Auswirkungen auf die Bausubstanz des Gebäudes regelmäßig notwendig:

  1. die Absenkung der Vorlauftemperatur oder die Optimierung der Heizkurve bei groben Fehleinstellungen,
  2. die Aktivierung der Nachtabsenkung, Nachtabschaltung oder andere, zum Nutzungsprofil sowie zu der Umgebungstemperatur passende Absenkungen oder Abschaltungen der Heizungsanlage und Information des Betreibers, dazu insbesondere zu Sommerabschaltung, Urlaubsabsenkungen, Anwesenheitssteuerungen,
  3. die Optimierung des Zirkulationsbetriebs unter Berücksichtigung geltender Regelungen zum Gesundheitsschutz,
  4. die Absenkung der Warmwassertemperaturen unter Berücksichtigung geltender Regelungen zum Gesundheitsschutz,
  5. die Absenkung der Heizgrenztemperatur, um die Heizperiode und -tage zu verringern.
  6. Information des Gebäudeeigentümers oder Nutzers über weitergehende Einsparmaßnahmen.

Abs. 3: 
(3) Das Ergebnis der Prüfung nach Absatz 1 Satz 1 Nummer 1 ist in Textform festzuhalten. Sofern die Prüfung Optimierungsbedarf hinsichtlich der Anforderungen nach Absatz 1 Satz 1 Nummer 1 in Verbindung mit Absatz 2 feststellt, ist die Optimierung der Heizung nach Absatz 2 bis zum 15. September 2024 durchzuführen. 

Die Heizungsprüfung sowie etwaige erforderliche Maßnahmen zur Optimierung sollen im Zusammen-hang mit ohnehin stattfindenden Tätigkeiten oder Maßnahmen der fachkundigen Personen nach Absatz 4, insbesondere bei der Durchführung von Kehr- und Überprüfungstätigkeiten oder einer Feuerstättenschau von Schornsteinfegern oder bei Heizungswartungsarbeiten, angeboten und durchgeführt werden. 

Im Hinblick auf die Prüfergebnisse zu den Anforderungen nach Absatz 1 Satz 1 Nummer 2 ist § 3 anzuwenden. 

Im Übrigen ist auf die Möglichkeit hinzuweisen, einen hydraulischen Abgleich durchzuführen. Der Nachweis der Heizungsprüfung kann auch im Rahmen der Durchführung eines hydraulischen Abgleichs erfolgen.

Im Anhang der Verordnung (Begründung: Besonderer Teil zu §2 Abs. 3)
Satz 1 sieht vor, dass das Prüfergebnis nach § 2 Absatz 1 Nummer 1 in Textform festzuhalten ist. Dies gilt in erster Linie, um einen Nachweis der Erfüllung der Pflicht zur Heizungsoptimierung zu ermöglichen. Wird ein Optimierungsbedarf festgestellt und eine Optimierungsmaßnahme empfohlen, so kann die Erfüllung der Optimierungspflicht aus Absatz 1 mithilfe des Prüfvermerks und eines Belegs der Durchführung der Maßnahme nachgewiesen werden.

Abs. 4:
(4) Die Heizungsprüfung nach Absatz 1 ist von einer fachkundigen Person durchzuführen. 
Dazu zählen insbesondere:

  1. Schornsteinfeger,
  2. Handwerker der Gewerbe Installateur und Heizungsbauer nach Anlage A Nummer 24 der Handwerksordnung sowie Ofen- und Luftheizungsbauer nach Anlage A Nummer 2 der Handwerksordnung oder 
  3. Energieberater, die in die Energieeffizienz-Expertenliste für Förderprogramme des Bundes aufgenommen worden sind.

Abs. 5: 
(5) Die Verpflichtung zur Heizungsprüfung entfällt in Gebäuden, die im Rahmen eines standardisierten Energiemanagementsystems oder Umweltmanagementsystems verwaltet werden und in Gebäuden mit standardisierter Gebäudeautomation. Ebenso entfällt die Verpflichtung zur Heizungsprüfung, wenn innerhalb der vergangenen zwei Jahre vor dem 1. Oktober 2022 eine vergleichbare Prüfung durch-geführt und kein weiterer Optimierungsbedarf festgestellt worden ist.

Hydraulischer Abgleich gemäß §3 EnSimiMaV:

Abs. 1:
(1) Gaszentralheizungssysteme sind hydraulisch abzugleichen

  1. bis zum 30. September 2023
    • a) in Nichtwohngebäuden im Anwendungsbereich des Gebäudeenergiegesetzes ab 1.000 Quadratmeter beheizter Fläche oder
      b) in Wohngebäuden mit mindestens zehn Wohneinheiten
  2. bis zum 15. September 2024 in Wohngebäuden mit mindestens sechs Wohneinheiten.

Abs. 2:
2) Absatz 1 ist nicht anzuwenden, wenn

  1. das Heizsystem in der aktuellen Konfiguration bereits hydraulisch abgeglichen wurde,
  2. innerhalb von sechs Monaten nach dem jeweiligen Stichtag ein Heizungstausch oder
    eine Wärmedämmung von mindestens 50 Prozent der wärmeübertragenden Umfassungsfläche des Gebäudes bevorsteht oder
  3. das Gebäude innerhalb von sechs Monaten nach dem jeweiligen Stichtag umgenutzt oder stillgelegt werden soll.

Diese sind im §3 Abs. 3 und 4 der EnSimiMaV beschrieben.

Allgemeine Einsparpotenziale in der durchschnittlichen Betrachtung von Gebäuden

Energieeinsparung durch eigenes Verhalten:

  • Richtiges Heizen und richtiges Lüften
    • Häufiger für eine kurze Zeit Stoßlüften, statt lange auf Kipp
    • Raumtemperatur auf das nötigste reduzieren -> eventuell geeignete Arbeitskleidung beschaffen
    • Räume, die kaum oder wenig benutzt werden, nicht mehr heizen (muss wohlüberlegt sein)
  • Heizungsanlage richtig einstellen
    • Zirkulationspumpe ausmachen (Hygieneaspekte betrachten!)
    • Speichertemperatur zwischen 55 und 60 Grad C einstellen -> Zeiten der Speicherladung reduzieren
    • Bei Durchlauferhitzern oder Hygienespeichern -> !nur bei diesen! <- die Warmwassertemperatur auf 35-40 Grad C reduzieren
    • Tag und Nachtbetrieb genau einstellen -> Nachtbetrieb nur ca. 4-5 Kelvin geringer als Tagbetrieb einstellen, sonst wird zu viel Energie beim Aufheizen verschwendet.

Energieeinsparung durch technische Veränderungen:

  • Elektrische Verbraucher (Maschinen, Geräte, Beleuchtung) vom Netz trennen bei Nichtbenutzung -> Stichwort: Standby-Verbrauch
  • Beleuchtung auf das Nötigste reduzieren -> insb. Außenbeleuchtung, Werbeflächen
  • Lichtsteuerung via Präsenzmelder/Bewegungsmelder
  • Drucklufterzeugung -> Soll-/Ist- Druck überprüfen, Leckagen beseitigen, Betriebszeiten anpassen
  • Substitution von Erdgas (Sofern möglich)
    • Erdgas durch z.B. Flüssiggas rechtzeitig ersetzen und Flüssiggas im Sommer einkaufen
    • Viele Heizungsanalgen können von Erdgas auf Flüssiggas umgestellt werden
    • Thermische Verbindungen/Wärmebehandlungen können unter umständen umgestellt werden
  • Austausch der Heizungsanlage durch eine sparsamere oder besser durch z.B. eine Wärmepumpe (Sofern möglich)
  • Austausch der Umwälzpumpe + Hydraulischer Abgleich
  • Bekannte Wärme/Kältebrücken beseitigen
  • Fenster/Außentüren abdichten + einstellen oder Fenster/Türen austauschen
  • Dämmmaßnahmen am Gebäude
  • Auf LED-Beleuchtung umrüsten

Die oben aufgeführten Einsparpotenziale können aber müssen nicht in jedem Gebäude umsetzbar oder sinnvoll sein. Zusätzlich ist diese Aufzählung nicht abschließend. Eine detaillierte Prüfung von Einsparpotenzialen kann nur in einer Vorort Besichtigung erfolgen.  

Henrik Dannenberg
Berater für Innovation und Technologie (BIT)

Telefon 0421 30500-320
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