Gemeinsame Pressemitteilung der Handelskammer Bremen - IHK für Bremen und Bremerhaven und der Handwerkskammer Bremen

Handelskammer und Handwerkskammer fordern Verbesserungen im Bremer Bildungssystem und bieten Schulterschluss an: Gemeinsames Positionspapier vorgestellt

Die Handelskammer Bremen – IHK für Bremen und Bremerhaven und die Handwerkskammer Bremen haben heute (13. Januar) ein gemeinsames Positionspapier zur Verbesserung der Bildung in Bremen vorgestellt. Darin fordern die beiden Kammern konkrete Maßnahmen in fünf Handlungsfeldern: Stärkung der Sprachförderung, messbare Verbesserung der Unterrichtsqualität, Fokus auf Kernkompetenzen, Ausbau der frühkindlichen Förderung sowie eine systematische Verankerung der Berufsorientierung. Das gemeinsame Ziel: Bremen soll bis 2030 im Bildungstrend des Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB), dem nationalen Pendant zum internationalen PISA-Test, sowie im Bildungsmonitor der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) vom letzten Platz unter die besten zehn Bundesländer aufsteigen. 

André Grobien, Präses der Handelskammer Bremen, sagte bei der gemeinsamen Pressekonferenz beider Kammern im Haus Schütting: „Bildung ist ein entscheidender Standortfaktor für die wirtschaftliche Zukunft Bremens. Der Fachkräftemangel kostet die deutsche Wirtschaft aktuell viele Milliarden Euro pro Jahr. Jeder fehlende Schulabschluss verschärft dieses Problem. Thomas Kurzke, Präses der Handwerkskammer Bremen, ergänzte: „Die Betriebe stehen vor einer enormen Herausforderung. Viele ihrer anspruchsvollen Aufgaben müssen sie künftig mit immer weniger Fachkräften bewältigen. Schon heute erweist sich der hohe Fachkräftebedarf als echte Wachstumsbremse. Die einzige Lösung heißt Ausbildung. Doch dafür fehlen vielen Betrieben die geeigneten Bewerberinnen und Bewerber.“ 

Aus diesem Grund ergreifen die beiden Kammern die Initiative. Präses André Grobien betonte: „Wir bieten der Bildungsbehörde einen engen Schulterschluss an, um bestehende Maßnahmen kritisch zu prüfen, praxisnahe Formate zu stärken und die Bildung zu einem zentralen Erfolgsfaktor für das Land Bremen zu machen."

Die Zahlen für Bremen sind alarmierend: Im INSM-Bildungsmonitor 2025 belegte das Land Bremen zum fünften Mal in Folge den letzten Platz unter allen 16 Bundesländern – mit nur 38,8 von 100 möglichen Punkten. Mehr als 700 Jugendliche verlassen jedes Jahr die allgemeinbildenden Schulen ohne Abschluss, das entspricht über zehn Prozent eines Jahrgangs. Bei ausländischen Schulabgängern liegt die Quote bei 24,1 Prozent – der Bundesdurchschnitt beträgt 17,8 Prozent. In Bremen ist mehr als die Hälfte der Schülerinnen und Schüler von Risikolagen wie bildungsfernen oder armutsgefährdeten Elternhäusern betroffen, oftmals auch in Verbindung mit Migrationshintergründen und sprachlichen Herausforderungen. „Diese Kombination aus sozialen Herausforderungen und Migrationshintergründen ist bundesweit einzigartig", so Präses André Grobien, „darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Bremen selbst in den leistungsstärkeren sozialen Gruppen in vielen Bereichen weiterhin Schlusslicht ist.“

Hamburg zeigt, dass Verbesserungen auch in einem Stadtstaat möglich sind. Die Hansestadt hat sich von Platz 11 im Jahr 2010 auf Platz 3 im aktuellen Bildungsmonitor verbessert. Dort verlassen nur 6,3 Prozent der Jugendlichen die Schule ohne Abschluss. Präses André Grobien betonte: „Was Hamburg geschafft hat, muss Bremen auch gelingen."

Handwerkskammer-Präses Thomas Kurzke betonte die hohe Bedeutung der Kernkompetenzen in Deutsch und Mathematik für eine erfolgreiche Ausbildung: „Gerade in den technischen Handwerksberufen sind die Anforderungen an Auszubildende im Laufe der vergangenen Jahre stetig gewachsen. Für komplexe Aufgabenstellungen in der Praxis und in der Berufsschule benötigen sie mindestens Kernkompetenzen in Deutsch und Mathematik. Leider verzeichnen viele Betriebe bei Bewerberinnen und Bewerbern hier zu große Defizite. Kommen dann noch geringe soziale Kompetenzen und hohe Fehlzeiten hinzu, ist selbst Betrieben, die auch leistungsschwächeren Jugendlichen eine Chance geben würden, das Risiko oft zu hoch.“

Dr. Matthias Fonger, Hauptgeschäftsführer der Handelskammer Bremen, erläuterte die zentralen Forderungen des Positionspapiers: „Ausbildung ist kein Reparaturbetrieb. Was in Kita und Schule versäumt wird, können Betriebe und Berufsschulen später nicht mehr aufholen. Wir brauchen eine verbindliche Sprachförderung bereits im Vorschulalter, eine Intensivierung des Deutschunterrichts in der Grundschule und mehr Unterrichtszeit für gezieltes Üben und Lesetraining."

Dr. Matthias Fonger ergänzte: „Die Qualität des Unterrichts entscheidet maßgeblich über den Bildungserfolg. Lehrkräfte müssen durch Fortbildungen, pädagogisches Coaching und klare Leistungsanreize unterstützt werden. Das Institut für Qualitätsentwicklung im Land Bremen muss weiter ausgebaut werden, um die Schulen mit datengestütztem Qualitätsmanagement in ihrer Entwicklung zu begleiten – so wie es in Hamburg erfolgreich praktiziert wird." 

Alexander Gündermann, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Bremen, sagte: „Die Grundlagen für erfolgreiche Bildungswege werden schon im frühen Kindesalter gelegt. Deshalb fordern wir für Jungen und Mädchen mit Sprachdefiziten oder anderen Benachteiligungen ein verpflichtendes Vorschuljahr.“

Mit einer verstärkten Berufsorientierung erwähnte Alexander Gündermann eine weitere Forderung der Kammern: „Allein in unserer Lehrstellenbörse waren zu Beginn des Ausbildungsjahres 120 Stellen nicht besetzt. Eine Ursache dafür ist die fehlende Kenntnis vieler Jugendlicher von der Berufswelt. Deshalb brauchen wir eine noch intensivere Berufsorientierung an allen Schulen inklusive der Gymnasien. Kammern, Verbände und Betriebe engagieren sich bereits mit zahlreichen Aktivitäten für die Berufsorientierung. Ein wichtiger Schritt seitens des Senats wäre es, das Schulfach Berufsorientierung an allen weiterführenden Schulen einzuführen.“ 

Die fünf Handlungsfelder des gemeinsamen Positionspapiers im Überblick: 

1.  Voraussetzung für den Unterricht: Ausreichende Deutschkenntnisse müssen bei allen Schülern gewährleistet sein! Frühzeitige und durchgängige Förderung der deutschen Sprachkompetenz als Grundvoraussetzung für Lernerfolg, verbindlich verankert bereits im Vorschulalter. 

2.  Entscheidend für gute Bildungsergebnisse: Unterrichtsqualität messbar verbessern! Kontinuierliche Fortbildung der Lehrkräfte, Feedbacksysteme und datengestütztes Qualitätsmanagement durch das Institut für Qualitätsentwicklung im Land Bremen (IQHB).

3.  Fokus auf Kernkompetenzen: Wieder richtig Lesen, Schreiben und Rechnen lernen! Konsequente Ausrichtung der Unterrichtszeit auf Deutsch und Mathematik – Lesen, Schreiben und Rechnen müssen oberste Priorität genießen. 

4.  Bildungssystem zukunftsfest machen: Frühkindliche Förderung muss ausgebaut werden! Einführung eines verpflichtenden Vorschuljahres, um Sprachdefizite frühzeitig zu erkennen und systematisch zu beheben. 

5.  Übergänge in das Berufsleben verbessern: Berufsorientierung systematisch verankern! Prüfung eines Schulfachs Berufsorientierung an allen weiterführenden Schulen sowie verpflichtende Berufsorientierung in Zusammenarbeit mit der Jugendberufsagentur.

13.01.2026

Oliver Brandt Pressesprecher Telefon 0421 30500-307 brandt.oliver@hwk-bremen.de