Konjunkturumfrage Frühjahr 2026: Handwerk trotz schwacher Gesamtwirtschaft weitgehend stabil
Die Handwerkskonjunktur im Bundesland Bremen entwickelt sich entgegen der aktuellen gesamtwirtschaftlichen Situation im Frühjahr 2026 weiterhin stabil. Der aktuelle Geschäftsklima-Index weist mit 98 Prozentpunkten gegenüber 100 Prozentpunkten im Herbst 2025 eine leichte negative Entwicklung aus, bewegt sich aber insgesamt stabil, wenn man die vergangenen fünf Jahre betrachtet. Neben den positiven Ausreißern im Herbst 2023 und im Herbst 2024 und der Tatsache, dass der Frühjahrswert generell meist niedriger als der Herbstwert ist, besteht wenig Grund zur Sorge um das bremische Handwerk. Die Aussichten für den kommenden Sommer werden von den teilnehmenden Betrieben mit plus vier Prozentpunkten leicht positiv bewertet. Aufgrund der politischen Entwicklungen im Nahen Osten können die Aussichten allerdings nicht abschließend bewertet werden.
Stabile Geschäftslage im Winterhalbjahr 2025/2026
Die Geschäftslage der befragten Betriebe zeigte im Winter 2025/2026 ein konstantes Gesamtbild. 19,4 % der befragten Betriebe berichten von einer guten Geschäftslage, 57,4 % bewerten ihre Situation als befriedigend und 23,2 % stufen ihre Lage als schlecht ein. Das entspricht im Wesentlichen auch den Bewertungen aus Herbst 2025.
Die künftige Geschäftslage im bremischen Handwerk wird ähnlich bewertet. So erwarten 18,1 % der meldenden Betriebe eine bessere Geschäftslage, zwei Drittel (66,5 %) rechnen mit einer befriedigenden Situation und 15,5 % gehen von einer schlechteren Lage aus. Diese Rückmeldungen entsprechen ebenfalls den Werten vom vergangenen Herbst. Vieles deutet also auf eine weitere Stabilisierung hin.
Beschäftigungssituation etwas rückläufig, für den Sommer erwarten Betriebe eine leichte Besserung
Die Beschäftigungssituation war im Winter 2025/2026 leicht rückläufig. So melden 10,4 % der Betriebe einen Zuwachs an Mitarbeitenden, bei 72,3 % gab es keine Veränderungen und bei 17,4 % der Betriebe ist die Zahl der Beschäftigten zurückgegangen.
Vier von fünf der teilnehmenden Betriebe (80%) erwarten für den Sommer, dass ihre Mitarbeiterzahl konstant bleiben wird, 11 % erwarten einen Rückgang der Beschäftigten und 9 % wollen die Beschäftigtenzahl erhöhen.
Umsatzentwicklung insgesamt negativ
Die Umsatzentwicklung der vorhergehenden Konjunkturberichte war immer durchweg positiv. Das hat sich nun geändert. Laut der aktuellen Umfrage steigen einzig bei den KFZ-Betrieben die Umsätze. Bei den personenbezogenen Dienstleistungen halten sich positive und negative Rückmeldungen die Waage. In allen anderen Bereichen sind die Umsätze rückläufig. Insgesamt melden 16,8 % der teilnehmenden Betriebe eine positive Umsatzentwicklung während 31,6 % von sinkenden Umsätzen berichten.
Die Umsatzerwartungen für den Sommer 2026 sehen besser aus. So erwarten 17,4 % eine positive Entwicklung und nur noch 19,4 % rechnen mit geringeren Umsätzen. Die verbleibenden 63,2 % der Betriebe erwarten konstante Umsätze.
Auftragslage entwickelt sich leicht rückläufig, Auslastung der Betriebe verbessert sich
Der Auftragsbestand zeigt sich im aktuellen Berichtszeitraum weiter marginal rückläufig, die durchschnittliche Auftragsreichweite beträgt derzeit 8,8 Wochen. Im Herbst 2025 hatte sie noch 8,9 Wochen betragen. In der aktuellen Berichtsperiode melden 20 % der Betriebe positive Auftragsentwicklungen, 26,5 % melden dagegen rückläufige Aufträge.
Für die kommende Periode sind die Erwartungen bezüglich des Auftragsbestands leicht steigend. So rechnen 70 % der Betriebe mit einem konstanten Auftragsbestand, 21,3 % der meldenden Betriebe erwarten einen Rückgang und 18,7 % gehen von einem steigenden Auftragsbestand aus.
Auch die durchschnittliche Kapazitätsauslastung bleibt recht konstant, im Frühjahr 2026 lag sie über alle Gewerke bei 65,8 %, ähnlich wie im Frühjahr 2025 (66,7 %).
Verkaufspreise entwickeln sich positiv
Die Verkaufspreisentwicklung hat sich im Berichtszeitraum nach oben entwickelt. 61,9 % der teilnehmenden Betriebe haben ihre Preise stabil gehalten, 23,2 % haben die Preise erhöht, während 14,8 % ihre Preise gesenkt haben. Hier wird die Entwicklung den vergangenen 12 Monaten fortgesetzt, insbesondere in den Gewerken, die nah an Menschen arbeiten, sind die Preise weiter gestiegen.
Für den kommenden Sommer erwarten die bremischen Handwerksbetriebe eine weitere leichte Preissteigerung. 63,4 % der Betriebe planen, ihre Preise unverändert zu lassen, 15,2 % rechnen mit sinkenden Preisen und 21,4 % erwarten steigende Preise.
Eine entscheidende Rolle wird spielen, in wie weit die steigenden Öl- und Benzinkosten an die Kunden weitergegeben werden.
Investitionsbereitschaft nimmt weiter ab
Die Investitionsbereitschaft im bremischen Handwerk zeigt sich wie in den vergangenen Jahren rückläufig. 63,9 % der Betriebe haben im Winterhalbjahr ihre Investitionen konstant gehalten, 23,2 % haben ihre Investitionen reduziert und nur noch 12,9 % haben ihre Investitionen verstärkt.
In der kommenden Periode werden die Investitionen weiter zurückgefahren, auch hier wollen 63,4 % der teilnehmenden Betriebe konstant weiter investieren, während 19,4 % der Betriebe die Investitionen weiter reduzieren und 13,5 % der befragten Betriebe ihre Investitionsbereitschaft erhöhen wollen.
Die seit Jahren mangelnde Investitionsbereitschaft spiegelt die vorsichtige Haltung der Betriebe im Hinblick auf die künftigen wirtschaftlichen Entwicklungen und weitere Krisen wider.
14.04.2026
Oliver Brandt Pressesprecher Telefon 0421 30500-307 brandt.oliver@hwk-bremen.de