Handwerk fordert bessere Bedingungen für die Betriebsnachfolge

Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels wird das Thema Betriebsnachfolge auch im Handwerk immer brisanter. Deshalb fordert die Handwerkskammer Bremen einen Abbau des Nachfolgehindernisses Bürokratie und eine bessere Förderung der Meisterausbildung.

Nach einer aktuellen Erhebung des Bonner Instituts für Mittelstandsforschung stehen im Bundesland Bremen bis 2030 rund 1.400 Unternehmen zu einer Übergabe an. Mit 55 anstehenden Übergaben pro 1.000 Unternehmen liegt der Zwei-Städte-Staat gemeinsam mit Schleswig-Holstein bundesweit auf dem zweiten Platz. Lediglich in Niedersachsen (61 Übernahmen pro 1.000 Unternehmen) ist der Wert noch höher.

Thomas Kurzke, Präses der Handwerkskammer Bremen, beschreibt die Situation für das Bremer und Bremerhavener Handwerk: „Von den rund 5.600 Handwerksbetrieben in unserem Bundesland werden zurzeit rund 650 von Inhabern oder Inhaberinnen im Alter zwischen 60 und 65 Jahren geführt. Legt man den Maßstab des gesetzlichen Renteneintritts für Arbeitnehmende an, müssen vielen von ihnen in den kommenden Jahren ihre Nachfolge regeln. Damit ihnen das gelingt und lokale Wertschöpfung in Bremen und Bremerhaven erhalten bleibt, muss die Bremer Politik die Rahmenbedingungen für Unternehmensnachfolgen verbessern. Dazu gehört der Abbau des mittlerweile realen Übernahmehemmnisses Bürokratie. Nicht nur aus unserer Erfahrung heraus wissen wir, dass viele Fachkräfte im Handwerk auch aufgrund der überbordenden Bürokratie den Schritt in die Selbstständigkeit meiden.“

Finanzielle Meisterförderung in Bremen: Vom Spitzenplatz in den Keller

Zu guten Rahmenbedingungen für die Unternehmensnachfolge im Handwerk gehört für die Handwerkskammer Bremen auch eine verbesserte Förderung der Aufstiegsfortbildung für potenzielle Übernehmerinnen und Übernehmer. Das Bundesland Sachsen hat in der vergangenen Woche den dortigen Meisterbonus von 2.000 auf 3.000 Euro angehoben.

Thomas Kurzke: „Bremen sollte dem Beispiel Sachsens folgen und die Prämie für Meisterinnen und Meister anheben. Das würde auch das erklärte Ziel der Regierung unterstreichen, berufliche und akademische Bildung gleichzustellen. Wenn, wie in dieser Woche verkündet, Studierende mit einem Betrag von 1,2 Millionen Euro entlastet werden, sollte auch dringend über eine bessere Entlastung für diejenigen, die sich beruflich weiterbilden, nachgedacht werden. Die Entscheidung des Senats Anfang 2025, die Aufstiegsfortbildungsprämie von 4.000 auf 1.300 Euro zu senken, hat Bremen im Bundesvergleich von einem Spitzenplatz bei der Meisterförderung in den Keller zurückgeworfen. Das kann auch negative Folgen für die Meisterausbildung in Bremen haben.“

Besonders kritisch bewertet die Handwerkskammer den Unterschied zum benachbarten Niedersachsen. Dort gibt es nicht nur eine Meisterprämie in Höhe von 4.000 Euro, sondern zusätzlich eine Meistergründungsprämie von 10.000 Euro für Existenzgründer oder Nachfolger, die Mitarbeitende einstellen.

Laut den Ergebnissen des aktuellen KfW-Nachfolge-Monitorings ist der Hauptgrund dafür, dass Betriebe ohne Nachfolgeregelung vom Markt verschwinden, die Tatsache, dass sie keinen Nachfolger finden. Handwerkskammer-Präses Thomas Kurzke: „Vor allem die Inhaberinnen und Inhaber von kleinen und Kleinstbetrieben stehen heute oft vor der Frage, wer ihren Betrieb weiterführen kann und ob potenzielle Nachfolgerinnen oder Nachfolger über die erforderliche Qualifikation verfügen. Im Handwerk ist dies sehr häufig der Meisterbrief. Einer der wirksamsten Hebel, die Betriebsnachfolge voranzubringen, wäre also, Fachkräfte zu unterstützen und die finanzielle Förderung der Meisterausbildung wieder anzuheben.“

19.06.2026

Oliver Brandt Pressesprecher Telefon 0421 30500-307 brandt.oliver@hwk-bremen.de