Prüfsteine zur Bremer Bürgerschaftswahl 2027
Erwartungen des Handwerks an die Politik (Stand: Okt. 2026)
Das Handwerk ist mit rund 5.600 Betrieben und 31.000 Beschäftigten sowie einem Jahresumsatz von mehr als 3 Mrd. Euro ein zentraler Wirtschaftsfaktor in Bremen und Bremerhaven. Seine hochwertigen Dienstleistungen und Produkte sind für die Menschen und die Wirtschaft in unserer Region unverzichtbar. Damit das Handwerk diese Leistungen erbringen kann, braucht es gute Rahmenbedingungen.
Die Prüfsteine zur Bürgerschaftswahl 2027 zeigen auf, wie die aktuelle Lage des Handwerks ist, wo Herausforderungen bestehen und was getan werden muss, damit das Handwerk seine wichtigen Aufgaben für unsere Gesellschaft auch in Zukunft optimal ausfüllen kann.
Aktuelle Lage und Herausforderungen für das Handwerk (was ist):
Das Bundesland Bremen belegt in Bildungsrankings und bundesweiten Vergleichstests seit vielen Jahren die hintersten Plätze. Unternehmen beklagen sehr häufig die mangelnde Ausbildungsreife von Schulabgängern. Im INSM-Bildungsmonitor 2025 belegte das Land Bremen zum fünften Mal in Folge den letzten Platz unter allen 16 Bundesländern – mit nur 38,8 von 100 möglichen Punkten. Mehr als 750 Jugendliche haben 2025 die allgemeinbildenden Schulen ohne Abschluss verlassen, das entspricht über elf Prozent des Jahrgangs.
Die Handwerksbetriebe stehen vor einer enormen Herausforderung: Viele ihrer anspruchsvollen Aufgaben müssen sie künftig mit immer weniger Fachkräften bewältigen. Schon heute erweist sich der hohe Fachkräftebedarf als echte Wachstumsbremse. Die einzige Lösung heißt Ausbildung. Doch dafür fehlen vielen Betrieben die geeigneten Bewerberinnen und Bewerber.
Notwendige Maßnahmen (was getan werden muss):
Es gibt fünf konkrete Handlungsfelder, in denen schnellstmöglich reagiert werden muss. Diese hat die Handwerkskammer Bremen gemeinsam mit der Handelskammer Bremen im Januar 2026 formuliert:
- Voraussetzung für den Unterricht: Ausreichende Deutschkenntnisse müssen bei allen Schülern gewährleistet sein.
Frühzeitige und durchgängige Förderung der deutschen Sprachkompetenz als Grundvoraussetzung für Lernerfolg, verbindlich verankert bereits im Vorschulalter. - Entscheidend für gute Bildungsergebnisse: Unterrichtsqualität messbar verbessern.
Kontinuierliche Fortbildung der Lehrkräfte, Feedbacksysteme und datengestütztes Qualitätsmanagement durch das Institut für Qualitätsentwicklung im Land Bremen (IQHB). - Fokus auf Kernkompetenzen: Wieder richtig Lesen, Schreiben und Rechnen lernen.
Konsequente Ausrichtung der Unterrichtszeit auf Deutsch und Mathematik – Lesen, Schreiben und Rechnen müssen oberste Priorität genießen. - Bildungssystem zukunftsfest machen: Frühkindliche Förderung muss ausgebaut werden.
Einführung eines verpflichtenden Vorschuljahres, um Sprachdefizite frühzeitig zu erkennen und systematisch zu beheben. - Übergänge in das Berufsleben verbessern: Berufsorientierung systematisch verankern.
Prüfung eines Schulfachs Berufsorientierung an allen weiterführenden Schulen sowie verpflichtende Berufsorientierung in Zusammenarbeit mit der Jugendberufsagentur.
| Kernforderungen: Fokus auf die Kernkompetenzen Lesen, schreiben und rechnen; Verbesserung der Unterrichtsqualität; frühzeitige und systematische Berufsorientierung für Schülerinnen und Schüler |