Baustoffpreis-Explosion: Handwerk fordert Schutzmaßnahmen für Betriebe

Explodierende Baustoffpreise und der Mangel an Baustoffen erweisen sich zunehmend als Konjunkturbremse und zwingen einzelne Betriebe trotz voller Auftragsbücher zu Kurzarbeit. Besonders betroffen sind die Bau- und Ausbau-gewerke. Vor diesem Hintergrund begrüßt das Bremer Handwerk die Entscheidung von Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt, sich für Maßnahmen einzusetzen, welche die Folgen der Preisexplosion für Betriebe mildern können.

Bei einem Krisengespräch mit der Wirtschaftssenatorin haben die Handwerkskammer Bremen, die Kreishandwerkerschaften Bremen sowie Bremerhaven-Wesermünde und der Verband Baugewerblicher Unternehmer im Lande Bremen (VBU) die teilweise drastischen Auswirkungen der Preissteigerungen und des Baustoffmangels beschrieben. „Betriebe, die im Herbst Festpreisangebote gemacht haben, werden jetzt von den Preissteigerungen kalt erwischt. Wenn es sich um größere Aufträge handelt, kann das existenzbedrohend sein. Es wird Insolvenzen geben“, sagt Matthias Winter, Kreishandwerksmeister und Obermeister der Tischler-Innung Bremen.

Der Vorsitzende des Verbandes Baugewerblicher Unternehmer im Lande Bremen, Lars Obermeyer, ergänzt: „Wir erleben sehr hohe Preissteigerungen in vielen Gewerken. Betriebe können bestehende Verträge teilwiese nur mit großen Verlusten erfüllen. Angebote für zukünftige Aufträge können nicht seriös kalkuliert werden.“

Aus Sicht des Bremer Handwerks muss das Land dort, wo es Einfluss auf die schwierige Situation der Betriebe nehmen kann, diesen schnellstmöglich ausüben. Laut Andreas Meyer, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Bremen, müssten für Baumaßnahmen des Landes und seiner kommunalen Einrichtungen ähnliche Regelungen getroffen werden, wie sie bei Bauvorhaben des Bundes greifen. Dazu gehören so genannte Preisgleitklauseln, die das Risiko von drastischen Preissteigerungen zwischen Vertragsschluss und Ausführung reduzieren. Außerdem sollten Handwerksbetriebe, die aufgrund des Baustoffmangels Verträge nicht rechtzeitig erfüllen können, längere Fertigstellungsfristen bekommen und von möglichen Vertragsstrafen freigestellt werden.

Eine weitere Herausforderung für Handwerksbetriebe ist der höhere Liquiditätsbedarf infolge der Preisexplosion und der langen Lieferzeiten. Baustoffe werden nicht nur teurer, sondern müssen auch deutlich länger vorfinanziert werden. Darüber hinaus werden Kreditlinien bei Großhändlern gebunden, so dass Betriebe keine weiteren Bestellungen aufgeben können. Aus diesem Grund fordert das Handwerk zusätzliche Liquiditätshilfen für Betriebe, die stark von der derzeitigen Situation auf dem Baustoffmarkt betroffen sind.

Die Ursachen des Baustoffmangels und der hohen Preise liegen zwar in der Entwicklung der Weltmärkte, dennoch ist laut Matthias Winter auch hier die Politik gefordert. „Mit dem Forstschäden-Ausgleichsgesetz hat der Bund die Menge des Holzes auf dem Markt reduziert, um einen Preisverfall durch die großen Mengen Schadholz nach den vergangenen Dürresommern zu verhindern. In der aktuellen Situation ist das Gesetzt aber kontraproduktiv. Deshalb begrüßen wir die Zusage der Wirtschaftssenatorin, das Problem auf Bundesebene anzusprechen.“

 

Zum Hintergrund:

Seit dem vierten Quartal 2020 sind die Preise für Baustoffe massiv gestiegen. Betroffen sind vor allem die Bau- und Ausbaugewerke. Zu ihnen gehören unter anderem Maurer und Zimmerer, Dachdecker, Tischler und Maler. Auch Metallbauer leiden unter Lieferengpässen und Preissteigerungen. Holz ist seit September um 15 bis 20 Prozent teurer geworden. Mineralölerzeugnisse um 15 Prozent und Betonstahl um 30 Prozent. Laut dem Bundesverband Farbe Gestaltung Bautenschutz sind Materialen für die Wärmedämmung und teilweise auch für den Trockenbau um bis zu 50 Prozent teurer geworden.

01.06.2021

Oliver Brandt
Pressesprecher

Telefon 0421 30500-307
brandt.oliver@hwk-bremen.de